In diesem Artikel widme ich mich dem „Glaubenspunkt 5: Der Heilige Geist“ der Siebenten-Tags-Adventisten. Besonderes Augenmerk werde ich auf die adventistische Sicht auf die Charismatik haben. Anders als bei den anderen Glaubenspunkten werde ich zunächst die Bibelstellen zu diesem Thema diskutieren, die NICHT angegeben sind. Erst danach beleuchte ich dann die Stellen, die von den Adventisten aus dem Hut gezaubert wurden. Das wird dann ziemlich „abgefahren“! (sagen das die Kids noch?)

Diese „Glaubensüberzeugung“ könnte ähnlich auch bei vielen anderen Kirchen stehen. Sie ist so allgemein formuliert, dass ihn prinzipiell jeder Christ bejahen kann.

Über den Heiligen Geist denken Adventisten also genauso wie mutmaßlich die meisten trinitarischen Christen, also Christen, die an einen dreieinigen bzw. dreifaltigen Gott glauben.

Zumindest, wenn es um die offizielle Kommunikation geht, also darum, bei anderen Konfessionen und Gläubigen als auch bei Nichtgläubigen gut dazustehen. Eigentlich ist die Aussage: „Seht her, wir glauben »normale« Dinge!“

Er ist ebenso ein persönliches Wesen wie der Vater und der Sohn.“ (Glaubensüberzeugung 5: der Heilige Geist)

Sehen das Adventisten wirklich so? In keinem von mir besuchten adventistischen Gottesdienst wurde der Heilige Geist im Gebet direkt angesprochen, während „Vater“ und „Jesus“ bzw. „Christus“ bzw. „Herr“ sehr wohl direkt angebetet wurden. Der Charismatik (das ist, wenn der Fokus in der Anbetung auf dem Heiligen Geist liegt) stehen Adventisten sehr, und ich meine wirklich: SEHR, kritisch gegenüber.

Fast könnte man den Eindruck gewinnen, dass Adventisten Angst vor dem Heiligen Geist haben. Diese Angst drückt sich auch und vor allem in der Ablehnung der Zungenrede aus. Das geht so weit, dass Adventisten die „Gabe der Zungenrede“ weder in ihrer „Glaubensüberzeugung 17: Geistliche Gaben und Dienste“ noch „Nr. 5: Der Heilige Geist“ erwähnen.

Diese Angst vor Charismatik ist nicht exklusiv bei Adventisten zu finden – auch viele andere Christen haben damit zu kämpfen.

Aber woher kommt nun diese Angst vor allem, was mit dem Heiligen Geist zu tun hat?

Das könnte vor allem daran liegen, dass nach christlicher Doktrin die „Sünde gegen den Heiligen Geist“ nicht vergeben wird (Mk 3:29; Mt 12:32; Lk 12:10 – diese Stellen haben die Adventisten unter dem Glaubenspunkt übrigens nicht angegeben). Ich habe schon oft gehört, wie vor allem jugendliche Christen sehr verzweifelt die Angst geäußert haben, sie hätten sich gegen den Heiligen Geist versündigt. Das muss aufschrecken, da solche Menschen sich in ihrer Verzweiflung hoffnungslos fühlen und zu Kurzschlusshandlungen neigen. Es wurden auch schon Fälle von Suizid oder Suizidversuch solcher Menschen berichtet.

Dabei ist die „Sünde gegen den Heiligen Geist“ höchst nebulös. Das heißt, dass es davon etwa genau so viele Auslegungen gibt wie Ausleger. Man sollte eigentlich erwarten dürfen, dass etwas, das solch fatale Folgen wie „ewige Verdammnis“ haben kann, klar definiert ist. Ist es aber nicht. Die „Sünde gegen den Heiligen Geist“ führt dennoch viele Menschen in existentielle Verzweiflung.

Vielleicht kann der Kontext, in dem die Synoptiker Jesus diese Aussage machen lassen, ja ein wenig Licht ins Dunkle bringen:

Dazu schauen wir bei Markus den Zusammenhang an. Das Markus-Evangelium ist im theologischen Konsens das älteste Evangelium in unserer Bibel. Der Autor hieß vermutlich nicht Markus; der Verfasser bleibt anonym. Der Kontext bei Matthäus ist ähnlich.

Die Schriftgelehrten aber, die von Jerusalem herabgekommen waren, sprachen: Er hat den Beelzebul, und: Durch den Obersten der Dämonen treibt er die Dämonen aus.“ (Mk 3:22)

und

Denn sie hatten gesagt: Er hat einen unreinen Geist.“ (Mk 3:30)

Es sind „Schriftgelehrte“ („Matthäus“ nennt sie „Pharisäer“), die hier Jesus einen „unreinen Geist“ unterstellen, also Männer, welche im mosaischen Gesetz unterwiesen sind. In heutiger Zeit wären das Kleriker, Pastoren oder Prediger mit entsprechender theologischer Ausbildung.

Selbst Theologen schaffen es also nicht, den Heiligen Geist von Dämonen zu unterscheiden.

Theologen unterstellen dem Gott-Menschen Jesus also, von unreinen Geistern besessen zu sein.

Und hier setzt der von mir vermutete Gedankengang vieler Christen ein: Wenn selbst Theologen – also in der Lehre der Religion ausgebildete Priester/Prediger – schon das Böse nicht vom Guten unterscheiden können, wie soll ein Laie das dann vollbringen? Damit will man dann lieber nichts zu tun haben, denn „die Sünde gegen den Heiligen Geist“ wird ja nicht vergeben!

Wie gesagt, ich vermute nur, dass so gedacht wird, aber du musst zugeben, dass sehr viel darauf hindeutet. Offen wird darüber nicht gesprochen.

Beim Durchgehen der angegebenen Bibelstellen ist mir dann auch aufgefallen, wie oberflächlich die Siebenten-Tags-Adventisten diesen Glaubenspunkt so schnell wie möglich abhaken wollten. Es wirkt auf mich, als ob ihnen das Thema „Heiliger Geist“ ein heißes Eisen ist, das man besser nicht anfasst.

So fehlt vor allem die Szene in den Evangelien, in denen die Taufe Jesu geschildert wird (Mk 1:9-11; Mt 3:13-17; Lk 3:21.22; Joh 1:32), wobei der Geist „wie eine Taube“ (Mk, Mt und Joh) auf ihn hernieder fährt; das Lukas-Evangelium betont dabei zudem „die leibliche Gestalt“ der Taube.

Auch absent in den angegebenen Bibelstellen ist die Schilderung des Pfingstwunders in Apostelgeschichte 2:1-13, bei dem „Zungen, zerteilt wie von Feuer“ erscheinen und sich auf „sie“ setzen. Dass letztere Stelle weggelassen wurde, kann ich in Bezug auf die Angst vor charismatischen Einflüssen sogar verstehen, denn ein Hauptmerkmal der Charismatik ist bekanntlich die „Zungenrede“. Und die Gefahr bleibt, wenn man sich in der Zungenrede „vom Heiligen Geist leiten lässt“ und man selbst nicht versteht, was man da gerade brabbelt, dass man da versehentlich Lästerungen loslässt anstatt Lobpreisungen. Das könnte daran liegen, dass eben „Beelzebul“ die gleichen Eigenschaften hat wie der Heilige Geist, wie wir weiter oben bereits gesehen haben.

Was der Heilige Geist sonst noch zu leisten imstande ist, lesen wir in Apg 8:39f: Nachdem Philippus den Kämmerer aus Äthiopien getauft hat, wird er vom Geist Gottes – das ist wohl der Heilige Geist, ansonsten wäre es wohl zu verwirrend – nach Aschdod gebeamt. Genau so wie in Star Trek.

Warum aber eine in Bezug auf den Heiligen Geist so zentrale Stelle wie Gal 5:17-26 in diesem Glaubenspunkt unberücksichtigt bleibt, ist mir unverständlich:

17 Denn das Fleisch begehrt auf gegen den Geist und der Geist gegen das Fleisch; die sind gegeneinander, sodass ihr nicht tut, was ihr wollt. 18 Regiert euch aber der Geist, so seid ihr nicht unter dem Gesetz. 19 Offenkundig sind aber die Werke des Fleisches, als da sind: Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, 20 Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Spaltungen, 21 Neid, Saufen, Fressen und dergleichen. Davon habe ich euch vorausgesagt und sage noch einmal voraus: Die solches tun, werden das Reich Gottes nicht erben.

22 Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, 23 Sanftmut, Keuschheit; gegen all dies steht kein Gesetz. 24 Die aber Christus Jesus angehören, die haben ihr Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Begierden. 25 Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln. 26 Lasst uns nicht nach eitler Ehre trachten, einander nicht herausfordern und beneiden.“

Entgegen seiner Gewohnheit, einfache Dinge kompliziert zu beschreiben, formuliert Paulus hier erstaunlich klar und selbst für Laien einfach zu verstehen. Deshalb denke ich, dass sich hier ein Kommentar meinerseits erübrigt.

Soweit nun die Bibelstellen aus dem Neuen Testament, welche NICHT von offizieller Adventistenseite angegeben werden. Eigentlich könnte ich meine Abhandlung hier beschließen, möchte aber dennoch die Bibelstellen mit dir, lieber Leser, betrachten, welche dann doch angegeben werden. Eine entsprechende Gegenüberstellung der angegebenen Stellen zu den nicht angegebenen nehme ich später noch für das Alte Testament vor.

Und weil der Heilige Geist im Neuen Testament erst richtig relevant wird, beginnen wir mit den Stellen aus eben diesem Neuen Testament, die von Adventisten als zentraler Beleg für die Göttlichkeit des Heiligen Geistes herhalten dürfen.

Die erste angefügte Stelle finden wir im Lukas-Evangelium. Kurioserweise haben Adventisten nichts relevantes in Matthäus oder Markus gefunden. Also schauen wir uns – schon wieder – Lukas 1:35 an.

Und schon wieder ein einzelner Vers, der ohne Kontext angegeben wird. Hier antwortet der Engel Gabriel auf Marias Einwand, dass sie doch noch nie mit einem Mann Sex hatte, dass der „Heilige Geist“ diese Rolle übernehmen wird. Es gibt starke Hinweise, dass die gesamte Weihnachtsgeschichte fiktiv ist, also nicht wie geschildert stattgefunden hat.

Und natürlich ist der gesamte Abschnitt der Geburtsankündigung (Lk 1:26-38) eine Antwort auf Jes 7:14: „Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel.“

Dem kritischen Leser wird auffallen, dass der „Sohn Gottes“ Jesus heißt (der hebräische Name wäre Jehoschua – „wäre“ und nicht „ist“. Das Neue Testament ist auf Griechisch verfasst und daher gibt es im NT keinen hebräischen Namen für Jesus), und nicht Immanuel genannt wurde, weder von seiner Mutter noch von irgendjemanden.

Aber zurück zu Jesaja: Das mit „Jungfrau“ übersetzte Wort heißt eigentlich „junge Frau“ (in der Septuaginta wird das Wort mit „parthenos“ wiedergegeben, was tatsächlich „Jungfrau“ bedeutet), und vermutlich tut es das auch, denn im folgenden Kapitel wird eine junge Frau tatsächlich schwanger. Der Vater des Kindes ist der Prophet selbst. Das heißt aber nichts anderes, als dass diese „Prophezeiung“ aus Jes 7:14 bereits in Jes 8 erfüllt ist. DAS nennt man „selbsterfüllende Prophetie“.

Der Abschnitt in Lk 1:26-38 ist also die Einleitung der «wundersamen» Geburt des Jesus, die zusammen mit seinem Stammbaum als Legitimierung seiner Person als «Sohn Gottes» dienen sollte.

Indem er aus dem Alten Testament Bibelstellen zusammensucht, die sich auf einen kommenden Messias (das Wort bedeutet nichts weiter als „Gesalbter“) oder auf Griechisch „Christos“ deuten lassen, strickt er aus diesen Versen einen Geburtsnarrativ von einem Jesus von Nazareth, der – gesalbt von YHWH mit dem Heiligen Geist – Israel erlösen soll.

So lässt der Autor des Lukas-Evangelium seinen Protagonisten Jesus in Lk 4:18 in seiner Heimatstadt Nazareth in der Synagoge aus Jes 61:1-2 lesen – aus unerfindlichen Gründen benutzt Jesus in dem Evangelium die Septuaginta und nicht einen hebräischen Text – und bezieht diese Bibelstelle in Vers 21 auf sich, obwohl die Jesaja-Stelle tatsächlich und ausschließlich auf den Propheten selbst zu deuten ist.

Der Autor des Johannes-Evangelium lässt seine Jesus-Figur im 14. Kapitel einen „andern Tröster“ versprechen, den er mit dem „Heiligen Geist“ identifiziert und in Kapitel 15:26 mit dem „Geist der Wahrheit“ gleichsetzt. Dieser „Tröster“ soll die Jünger alles lehren.

Die Evangelien-Autoren haben ihre Werke mehrere Dekaden nach den Paulus-Briefen verfasst. Die Briefe des Paulus dürften ihnen bekannt gewesen sein – und größtenteils ist dies auch inhaltlich erkennbar. Dennoch unterstellen fundamentale Christen, zu denen ich auch die Adventisten zähle, dass diese Autoren, die wir namentlich nicht kennen, Augenzeugen des Wirkens Jesu gewesen wären.

Als nächste Stelle wird unter dem adventistischen Glaubenspunkt Apg 1:8 angegeben:

aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.“

Wie gesagt, das „Pfingstwunder“ selbst lassen sie aus. Und eine andere Aussage aus dem selben Abschnitt haben sie ebenso weggelassen: In Vers 5 heißt es:

denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen.“

Hier haben wir eine nicht erfüllte Prophetie: Johannes der Täufer äußert in Lk 3:16, dass „der“ nach ihm kommende „euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen“ wird. Das „und mit Feuer“ hat nur Lukas. Und mit „der“ ist wohl Jesus gemeint.

Und nun, in Apg 1, sollen die Jünger „mit dem Heiligen Geist getauft werden“ bzw. „die Kraft des Heiligen Geistes empfangen“. Aber von wem? Jesus, der laut Johannes dem Täufer mit dem Heiligen Geist taufen sollte, ist ja dann nicht mehr da, um diese Aufgabe zu erfüllen.

Aber abgesehen von der falschen Prophezeiung soll diese Aussage in Apg 1:8 wohl auf das kommende Pfingst-Ereignis hindeuten, welches die Adventisten in ihrer Bibelstellen-Auflistung dezent ignorieren.

Lieber Leser, du merkst wahrscheinlich auch, dass die Auswahl der Bibeltexte bei genauer Betrachtung immer verwirrender werden. Sei getrost: Mir geht es genauso.

Für die nächste Bibelstelle wollte ich eigentlich das selbe tun, was ich immer tue: die Bibelstelle listen, anmerken , dass da zumindest etwas vom „Heiligen Geist“ steht, darauf hinweisen, dass die Stelle komplett aus dem Zusammenhang gerissen ist, den richtigen Zusammenhang darlegen, mich wundern, wie Theologen das nicht richtig verstehen können und zur nächsten Stelle übergehen.

Das funktioniert bei der nächsten Stelle nicht, bzw. nicht so wie sonst.

Jedenfalls geht es jetzt um Apostelgeschichte 5:3. Petrus wirft dem Hananias vor, den Heiligen Geist belogen zu haben und den Erlös aus dem Verkauf einer Immobilie einbehalten zu haben.

Hier kann man nicht unbedingt den Vorwurf erheben, dass der Text aus dem Zusammenhang gerissen wurde. Es mutet allerdings eigenartig an, dass hier explizit der Heilige Geist belogen worden sein soll und nicht Gott selbst, denn just im darauf folgenden Vers nämlich konkretisiert Petrus seinen Vorwurf an Hananias damit, er habe Gott belogen. In Vers 5 dann fällt Hananias tot um. Einfach so.

Ich gehe jetzt nur oberflächlich auf die Anleihen ein, die Apg 5:1-11 im Alten Testament nimmt.

Viele Ausleger sehen nämlich eine Parallele zur Geschichte von Achan in Jos. 7, der Güter aus der Beute einer Eroberung für sich behielt und dann gesteinigt und mit seinem Besitz (also Frauen, Tiere, Sklaven und alle Sachen) verbrannt wurde. Kann man so sehen.

Was aber oft übersehen wird, ist die Parallele zur Rotte Korach in Num. 16. Und hier geht es weniger darum, welcher „Sünde“ sich Korach und seine Mitstreiter schuldig gemacht haben, sondern um die magische Vernichtung des Korachs und seiner Angehörigen. Oder ist das wirklich eine Parallele?

Jedenfalls sind beide Abschnitte mythologischem Ursprungs und haben mit ziemlicher Sicherheit nicht wie geschildert stattgefunden.

Einige Ausleger wie Henriette Havelaar sehen auch Parallelen in heidnischer Literatur, vor allem bei Herodot, der wohl über einen gewissen Glaucus (nicht der spätere Halbgott) schreibt, der die Götter in Delphi betrügen wollte. Dass es bei Herodot steht ist deshalb bezeichnend, weil in der Antike niemand, der auf dem Niveau wie die biblischen Autoren in Griechisch schreiben wollte, an Herodot vorbei kam. Alle Autoren des Neuen Testaments kannten also die Schriften des Herodot.

Wenn man Apg. 5:1-11 nur oberflächlich liest, liegt nahe, dass beide – Hananias und Saphira – von Gott selbst getötet werden. Aber was genau war deren Sünde? Es war ja nicht Gottes Gebot, seinen ganzen Besitz der Kirche zu vermachen.

Manche Ausleger argumentieren deshalb, dass Petrus den Hananias und später dessen Frau Saphira selbst getötet hat. Immerhin ist er ja schon einmal durch Gewalttaten aufgefallen, indem er während Jesus’ Gefangennahme einem Knecht des Hohenpriesters ein Ohr abschnitt (Jh. 18:10). Dass das Petrus war, steht übrigens nur im Johannes-Evangelium – die anderen schreiben zwar auch über die Geschichte, nennen aber keinen Namen.

Für die These, dass Petrus selbst den Hananias und die Saphira umbringt, spricht auch, dass die Leichen äußerst schnell und ohne Beachtung irgendwelcher religiöser Bestimmungen begraben werden, fast so, als ob man die offensichtlichen Spuren eines Mordes beseitigen will.

Diese Ausleger argumentieren, dass der Text als Kritik an Petrus als Kirchenführer geschrieben worden sei.

Wenn das so ist, dann hat Hananias also den Heiligen Geist gar nicht belogen und er und seine Frau gar nicht den Tod verdient gehabt, und wir haben hier den mutmaßlich ersten Fall von kirchlichem Machtmissbrauch und Willkür. Was hat dann dieser Text als Grundlage dieser „Glaubensüberzeugung“ zu suchen?

Eventuell hat der Autor der Apostelgeschichte diese Anekdote auch nur deshalb in die Handlung hineingeschrieben, um die Gläubigen vor der „Sünde gegen den Heiligen Geist“ und deren Folgen zu warnen. Das halte ich aber für das schwächste Argument.

Die nächste angegebene Stelle ist Apg 10:38.

Das zehnte Kapitel der Apostelgeschichte ist aufschlussreich, und nach genauerer Betrachtung werden wir sehen, warum Adventisten genau diesen 38. Vers in ihrer Glaubensüberzeugung einfließen lassen. Und wie so oft ist der angegebene Vers ein Halbsatz, diesmal aus einer Predigt Petrus’, in welcher er das Evangelium kurz zusammenfasst. Diese Predigt umfasst die Verse 34-43. Vers 38 lässt Petrus dann erzählen, dass Jesus von Gott mit dem Heiligen Geist gesalbt worden sei.

Das Publikum dieser Predigt besteht aus einem Hauptmann der Römischen Streitkräfte namens Kornelius, seinen Verwandten und engsten Freunden sowie einigen Judenchristen, die Petrus mitgebracht hat.

In diesem Kapitel ist der Heilige Geist nur ein Randthema, eigentlich geht es um etwas komplett anderes: Dieser Kornelius hatte nämlich eine Halluzination, die über das Kapitel verteilt drei Mal erzählt wird: einmal aus der Perspektive des allwissenden Erzählers, einmal von den drei Männern, die Petrus abholen und einmal von Kornelius selbst.

Auch Petrus hat eine Erscheinung, in der er unter anderem drei Mal aufgefordert wird, unreine Sachen zu essen und mit den drei Männern von vorhin mitzugehen.

Zentrale Verse hier sind V. 34.35, in denen Petrus „erkennt“, dass Gott nicht die Person ansehe.

Vielleicht hätten die Verfasser der Glaubensüberzeugungen statt Vers 38 lieber die Verse 45.46 angeben sollen, in denen sich „die gläubig gewordenen Juden entsetzten […], weil auch auf die Heiden die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen wurde; denn sie hörten , dass sie in Zungen redeten und Gott hoch priesen.“

Es ist doch irgendwie komisch, dass in der Bibelstellenauswahl unter diesem Glaubenspunkt die Zungenrede keine Erwähnung findet.

Als nächstes schicken Adventisten den Römerbrief ins Rennen. Im fünften Kapitel zählt der gute Paulus einige Tugenden auf und bringt diese in Abhängigkeit zueinander.

Die Begriffe „Glauben“, „gerecht“, „Frieden“, „Gnade“, „Hoffnung“ u.s.w. werden hier in einer Betonung gebraucht, die darauf schließen lässt, dass es sich hierbei um Chiffren bzw. Codewörter handelt, die in der Tiefe eine andere, stärkere Bedeutung haben. Fast könnte man zur Überzeugung kommen, dass hier ein Mysterien-Kult beschrieben wird.

„… durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.“ (Vers 5) Der Geist ist uns laut Paulus also gegeben. Fast so, als ob der Heilige Geist eine Sache wäre, die man einfach so weitergeben kann.

Nun gut, der Heilige Geist wird immerhin erwähnt.

Immerhin gibt mir die nächste Stelle die Hoffnung™, dass da endlich etwas substanzielles über den Heiligen Geist zu finden ist. Wir schlagen auf in 1.Kor. 12:7-11. Diesen Abschnitt formuliere ich mit Liebe™, die mir ins Herz™ ausgegossen™ wurde.

Und hier geht es endlich um die „Geistesgaben“, über welche die Adventisten auch noch eine eigene, zusätzliche, Glaubensüberzeugung formuliert haben, nämlich „Glaubensüberzeugung 17: Geistliche Gaben und Dienste“. Ich möchte hier nicht zu sehr vorgreifen, aber Paulus zählt hier schlicht auf, dass der „Geist“, den er hier nicht als „Heiliger Geist“ betitelt, bestimmte Wirkungen in einzelnen Gläubigen erzielt: Wort der Weisheit bzw. Erkenntnis, Glaube sieht er ebenso als Geistesgabe, Heilung, Wunder tun, Prophetie, Geisterunterscheidung und eben auch die Zungenrede und die Auslegung davon.

Bezeichnend finde ich, dass die „Gabe der Geisterunterscheidung“ von einem Geist gegeben wird. Das ist doch komplett unlogisch! Woher soll ich denn wissen, ob es ein guter oder ein böser Geist ist, der mir diese Gabe gibt? Und warum haben diese Gabe dann nur bestimmte Menschen in einer zu der Zeit wahrscheinlich recht kleinen und global unbedeutenden jüdischen Sekte, und nicht die wirklichen Vertreter der Religion – also die Priester – im jüdischen Tempel oder die Pharisäer, die, wie wir eingangs gesehen haben, keine Ahnung von Geisterunterscheidung haben?

Mit 2 Kor 3:18 schließen die Adventisten ihren Bibelversfundus aus den paulinischen Briefen ab. Und auch hier verwunderte es mich, warum sie diese Stellenangabe nur auf den 18. Vers beschränken, denn der Abschnitt beginnt in Vers 4, man könnte aber auch die ersten 3 Verse noch mit einbeziehen.

Aber betrachten wir nur den 18. Vers: „Wir alle aber spiegeln mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wider, und wir werden verwandelt in sein Bild von einer Herrlichkeit zur andern von dem Herrn, der der Geist ist.“

Wir“ spiegeln also. Wer ist mit „Wir“ gemeint? Die deutsche Sprache ist da etwas ungenau. Das Personalpronomen der ersten Person Plural bezieht sich immer auf eine Gruppe, wobei erst aus dem Zusammenhang heraus klar wird, ob die angesprochene Person (Singular oder Plural) mit in das „Wir“ einbezogen ist.

Anders gesagt: Bezieht Paulus hier die Brief-Adressaten mit in das „Wir“ ein oder beschränkt er das „Wir“ auf sich und seine Mitarbeiter?

Erfahrungsgemäß unterscheidet Paulus meist zwischen „wir“ und „ihr“, grenzt also sich und seine Mitarbeiter als die eine Gruppe, das „wir“, von der Gruppe der Leserschaft, das „ihr“, ab. Ob das hier auch zutrifft, schauen wir (also meine Leserschaft und ich) uns nun an.

Und dazu beginnen wir am Beginn des Kapitels, in Vers 1. Die beiden Sätze lauten: „Fangen wir denn abermals an, uns selbst zu empfehlen? Oder brauchen wir, wie gewisse Leute, Empfehlungsbriefe an euch oder von euch?“

Hier sehen wir genau die eben beschriebene Abgrenzung seiner Gruppe von der Leserschaft.

Den Rest des Kapitels verwendet Paulus darauf, eben diesen Empfehlungsbrief zu liefern und darüber hinaus auch eine Abgrenzung der neuen Christus-bezogenen Religion gegenüber dem Mosaischen Gesetz.

In Vers 18 ist also nicht gemeint, dass alle Christen leuchten wie ein Scheinwerfer, sondern allein Paulus und seine Crew.

Diese Unterscheidung zwischen „Wir“ und „Ihr“ führte mutmaßlich auch zur Bildung eines Klerus, der sich vom gemeinen Volk abhebt. Solche Entwicklungen sehe ich auch in der Adventgemeinde, und ich sehe sie sehr kritisch.

Schließen wir die Verssammlung im Neuen Testament ab mit 2 Ptr 1:21.

In der historisch-kritischen Theologie wird praktisch einhellig angenommen, dass der in Vers 1,1 als Verfasser angegebene Simon Petrus, Knecht und Apostel Christi, nicht der Verfasser ist.

[…]

Konservative Autoren setzen dem entgegen, dass stilistische Unterschiede bei so wenig Vergleichsmaterial und unterschiedlichen Themen nicht zwingend auf einen anderen Autor schließen lassen, dass der Judasbrief ebenso gut vom Petrusbrief abhängig sein kann und dass die Aufnahme in den Kanon gerade deshalb erfolgte, weil die frühe Kirche mehrheitlich doch von der apostolischen Autorschaft ausging – im Gegensatz zu vielen anderen ebenfalls nach Petrus benannten Schriften wie dem Petrusevangelium, den Petrusakten oder der Apokalypse des Petrus, deren Aufnahme in den Kanon nie in Frage kam.“ (2. Brief des Petrus – Wikipedia)

Nun zum Inhaltlichen: Der Verfasser stellt heraus, dass „Weissagung“, also Prophetie, durch Menschen getätigt worden sei, die „vom Heiligen Geist getrieben […] im Auftrag Gottes“ geredet hätten.

Hier wird meiner Meinung nach der Heilige Geist mit einem Götterboten wie Hermes oder Merkur gleichgesetzt. Gott gibt den Auftrag, dann rennt der Heilige Geist los und treibt die Menschen an.

Fassen wir kurz zusammen, was der Heilige Geist laut der Glaubensüberzeugung der Adventisten ist:

Er hat Sex mit Maria (Lk 1:35), ist Salbe (Lk 4:18), Tröster (Joh 14:16-18.26; 15:26; 16:7-13; Apg 1:8), Mörder (Apg 5:1-11), Gabe und Kommunikationsmittel (Apg 10), Füllhorn (Rö 5:5), Begabungengeber (1Kor 12:7-11), Leuchtmittel (2 Kor 3:18) und Götterbote (2 Petr. 1:21).

Was er nach der vorliegenden Glaubensüberzeugung NICHT ist:

Taube und Lautsprecher (Mk 1:10; Mt 3:16; Lk 3:22), Feuerzungen mit magischen Kräften (Apg 2:3), Transportmittel (Apg 8:39), „Befreier“ von dem Gesetz (Gal 5:17-25).

Gerade das mit dem Beamen wäre aber doch gerade in unserer heutigen Zeit sehr praktisch: Man wäre schneller als mit jedem von Menschen gemachten Transportmittel und würde sogar noch die Umwelt schonen!

In einer Fortsetzung werde ich mich mit dem Heiligen Geist bzw. dem Geist Gottes oder Geist des Herrn im Alten Testament beschäftigen.

 

Gott, der ewige Geist, wirkte zusammen mit dem Vater und dem Sohn bei der Schöpfung, bei der Menschwerdung und bei der Erlösung. Er ist ebenso ein persönliches Wesen wie der Vater und der Sohn. Er inspirierte die Schreiber der Heiligen Schrift. Er erfüllte Christi Leben mit Kraft. Er zieht die Menschen zu Gott und überführt sie ihrer Sünde. Die sich ihm öffnen, erneuert er und formt sie nach dem Bild Gottes. Gesandt vom Vater und vom Sohn, damit er allezeit bei Gottes Kindern sei, gibt der Heilige Geist der Gemeinde geistliche Gaben, befähigt sie zum Zeugnis für Christus und leitet sie in Übereinstimmung mit der Heiligen Schrift in alle Wahrheit.

Gen 1-2 [sic!]: Hier fällt auf, dass die Angabe von den ersten zwei Kapiteln der Bibel nicht stimmen kann: es wurde also wieder oberflächlich gearbeitet. Die englischsprachige Ausgabe des „Gemeindehandbuch“ hat als Referenzstelle Gen. 1:1-2, was für mich eher nachvollziehbar ist: „1 Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. 2 Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.“

2 Sam 23:2 – Der Geist des HERRN hat durch mich geredet, und sein Wort ist auf meiner Zunge.

Ps 51:13 – Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir.

Jes 61:1 – Der Geist Gottes des HERRN ist auf mir, weil der HERR mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, dass sie frei und ledig sein sollen;

Lk 1:35 – Der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden.

Lk 4:18 [Im Wortlaut exaktes Zitat aus Jes. 61:1 nach LXX] »Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat und gesandt, zu verkündigen das Evangelium den Armen, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und die Zerschlagenen zu entlassen in die Freiheit

Joh 14:16–18.26 – 16 Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit: 17 den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. 18 Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch. […] 26 Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

Joh 15:26 – Wenn aber der Tröster kommen wird, den ich euch senden werde vom Vater, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, der wird Zeugnis geben von mir.

Joh 16:7–13 – Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, werde ich ihn zu euch senden. 8 Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht; 9 über die Sünde: dass sie nicht an mich glauben; 10 über die Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht seht; 11 über das Gericht: dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist. 12 Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen. 13 Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in aller Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen.

Apg 1:8 – aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.

Apg 5:3 – Petrus aber sprach: Hananias, warum hat der Satan dein Herz erfüllt, dass du den Heiligen Geist belogen und etwas vom Geld für den Acker zurückbehalten hast?

Apg 10:38 – wie Gott Jesus von Nazareth gesalbt hat mit Heiligem Geist und Kraft; der ist umhergezogen und hat Gutes getan und alle gesund gemacht, die in der Gewalt des Teufels waren, denn Gott war mit ihm.

Röm 5:5 – Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.

1 Kor 12:7–11 – Durch einen jeden offenbart sich der Geist zum Nutzen aller. 8 Dem einen wird durch den Geist ein Wort der Weisheit gegeben; dem andern ein Wort der Erkenntnis durch denselben Geist; 9 einem andern Glaube, in demselben Geist; einem andern die Gabe, gesund zu machen, in dem einen Geist; 10 einem andern die Kraft, Wunder zu tun; einem andern prophetische Rede; einem andern die Gabe, die Geister zu unterscheiden; einem andern mancherlei Zungenrede; einem andern die Gabe, sie auszulegen. 11 Dies alles aber wirkt derselbe eine Geist, der einem jeden das Seine zuteilt, wie er will.

2 Kor 3:18 – Wir alle aber spiegeln mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wider, und wir werden verwandelt in sein Bild von einer Herrlichkeit zur andern von dem Herrn, der der Geist ist.

2 Ptr 1:21 – die ihr durch ihn glaubt an Gott, der ihn von den Toten auferweckt und ihm die Herrlichkeit gegeben hat, sodass ihr Glauben und Hoffnung zu Gott habt.“

(Glaubensüberzeugungen der Siebenten-Tags-Adventisten, Nr. 5)